... und alles über unsere Erde

Lichtgeschwindigkeit: Warum interstellare Reisen und Kommunikation praktisch unmöglich sind

Licht ist im Vakuum überall gleich schnell: rund 300.000 Kilometer pro Sekunde. Schneller geht nichts. Das macht den Kosmos zu einem ziemlich abweisenden Ort. Ein Sonnenstrahl braucht 8 Minuten und 20 Sekunden bis zur Erde, ein Mondreflex etwa 1,3 Sekunden, ein Signal vom nächsten Stern Proxima Centauri (4,24 Lichtjahre entfernt) gut vier Jahre. Wer in den Himmel guckt, blickt in die Vergangenheit. Wer auf Antwort hofft, wartet sehr lange.

Warum das Licht alles begrenzt

Aus der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit folgt, dass Raum und Zeit zusammenhängen. Beide bilden die Raumzeit, und kein Signal überholt das Licht. Die Distanzen im All machen diese Grenze hart spürbar. Ein Lichtjahr entspricht 9.461 Milliarden Kilometern. Bis Proxima Centauri sind das rund 40 Billionen Kilometer. Die Milchstraße misst etwa 100.000 Lichtjahre im Durchmesser, die Andromeda-Galaxie liegt 2,5 Millionen Lichtjahre weit weg.

Das beobachtbare Universum spannt heute 93 Milliarden Lichtjahre, obwohl es erst 13,8 Milliarden Jahre alt ist. Der Raum dehnt sich nämlich aus, während das Licht reist. Dabei taucht ein harter Schatten auf: der kosmische Horizont. Jenseits einer bestimmten Distanz wächst der Raum schneller, als Photonen ihn durchqueren können. Das Licht von dort drüben erreicht uns nie. Seit 1998 wissen Astronomen, dass diese Ausdehnung sich beschleunigt. Verantwortlich machen Forscher die Dunkle Energie, die etwa 68 Prozent der Energiedichte stellt. Galaxien driften langfristig auseinander, ferne Welten verschwinden für uns auf ewig.

Reisen, die niemand bezahlen kann

Die Relativitätstheorie verbietet niemandem, sich der Lichtgeschwindigkeit anzunähern. Sie macht es nur lächerlich teuer. Der Energiebedarf wächst nichtlinear. Ein Raumschiff mit 1.000 Tonnen Masse bräuchte schon für 10 Prozent Lichtgeschwindigkeit eine Energiemenge wie mehrere tausend Atombomben. Bei 90 Prozent steigt der Aufwand um ein Vielfaches. Die Raketengleichung verschärft das Problem: Mehr Treibstoff macht das Schiff schwerer, ein schwereres Schiff braucht mehr Treibstoff, und so weiter.

Ingenieure haben mehrere Antriebe vorgeschlagen. Sonnensegel nutzen den Photonendruck und sind hauchdünn. Laser-getriebene Lichtsegel sollen briefmarkengroße Sonden auf 20 Prozent Lichtgeschwindigkeit schießen, brauchen dafür aber Laser mit 100 Gigawatt Leistung von der Erde. Fusionsantriebe aus älteren Studien rechneten mit Schiffsmassen um 54.000 Tonnen, davon 50.000 Tonnen Treibstoff, und kämen auf 12 Prozent Lichtgeschwindigkeit. Reisezeit: mehrere Jahrzehnte. Antimaterie wäre theoretisch ideal, in der Praxis hat die Menschheit aber bisher nur Nanogramm-Mengen hergestellt und kann sie kaum lagern. Den Krümmungsantrieb nach Alcubierre kennt jeder aus Sci-Fi-Foren. Er verbiegt die Raumzeit lokal, braucht aber exotische Materie mit negativer Energiedichte. Ob es die überhaupt gibt, weiß niemand.

Selbst wenn ein Antrieb funktioniert, bleibt das Bremsen am Ziel ein Problem. Ohne Treibstoff für die Verzögerung gibt es nur den Vorbeiflug. Die Menschheit produziert heute jährlich etwa 580 Exajoule Energie. Für interstellare Missionen reicht das hinten und vorne nicht. Kleinste Sonden lassen sich beschleunigen, kommen aber weder zum Stillstand noch funken sie ihre Daten über Billionen Kilometer zurück, ohne dass riesige Antennen auf der Erde mithören.

Was wir sehen und was uns trifft

Jeder Blick durchs Teleskop ist ein Blick in die Vergangenheit. Das Licht aus dem Zentrum der Milchstraße ist 26.000 Jahre alt, das Licht von Andromeda 2,5 Millionen Jahre. Viele Sterne, die wir am Himmel sehen, gibt es heute vielleicht gar nicht mehr. Supernovae, Gammablitze und Magnetar-Ausbrüche melden sich Jahrhunderte bis Milliarden Jahre nach dem eigentlichen Knall.

Die Statistik der Milchstraße sagt: ein bis drei Supernovae pro Jahrhundert. Die letzte mit bloßem Auge sichtbare Explosion in unserer Galaxis datiert auf 1604. 1987 explodierte Supernova 1987A in einer Begleitgalaxie, 168.000 Lichtjahre entfernt. Detektoren auf der Erde fingen damals 24 Neutrinos in 13 Sekunden auf. Gammastrahlenausbrüche entdeckten Astronomen 1967, öffentlich wurden sie 1973. Sie bündeln gewaltige Energien in engen Strahlen. Ein besonders heller Ausbruch am 9. Oktober 2022 aus 2,4 Milliarden Lichtjahren Entfernung brachte sogar die Ionosphäre der Erde ins Wackeln. Magnetare bauen Magnetfelder bis 10^15 Gauss auf. Am 27. Dezember 2004 erreichte ein Magnetarausbruch die Erde und ionisierte ihre obere Atmosphäre. Dazu kommen kosmische Strahlen mit absurden Energien. Das berühmte „Oh-mein-Gott“-Teilchen vom Oktober 1991 brachte rund 10^20 Elektronenvolt mit.

Für Funkkontakt heißt das: Radiowellen reisen auch nur mit Lichtgeschwindigkeit. Ein Sender in 1.000 Lichtjahren Entfernung schickt heute eine Nachricht, die in 1.000 Jahren bei uns ankommt. Eine Antwort braucht weitere 1.000 Jahre. Bei 10.000 Zivilisationen in der Milchstraße läge der mittlere Abstand bei 1.500 bis 2.000 Lichtjahren. So ein Gespräch überdauert keine Zivilisation. Die Erde funkt seit der Erfindung des Radios ins All. Diese Radioblase hat heute einen Radius von etwa 120 Lichtjahren. Auf größere Entfernung verschwinden unsere Signale im kosmischen Rauschen.

Distanz, Tempolimit, kosmische Katastrophen und die beschleunigte Ausdehnung erklären zusammen, warum SETI bisher nichts gefunden hat. Selbst bei vielen existierenden Zivilisationen sorgen Raum und Zeit dafür, dass Signale einander schlicht verpassen.

Was bleibt

Lichtgeschwindigkeit, Energiebedarf, kosmische Strahlung und die kosmologische Expansion setzen reale Schranken. Die Physik kennt sie, misst sie und kann sie heute nicht aushebeln. Manches bleibt offen. Woher die Naturkonstanten ihren Wert haben zum Beispiel. Oder ob es theoretische Schlupflöcher wie negative Energiedichte überhaupt gibt. Solange das ungeklärt ist, sehen wir vor allem die Vergangenheit. Eine echte Begegnung mit anderen Sternsystemen bleibt eine Aufgabe für viele Jahrhunderte. Vielleicht für nie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert